25 Jahre lang feiert das Neuchâtel International Fantastic Film Festival (NIFFF) bereits das Genrekino, und auch dieses Jahr präsentierte es eine Vielzahl an Filmen, von Familienkomödie bis Blutspritzerei. Wir haben die Filme gesichtet und die Besten für euch herausgesucht – einer davon kommt sogar bald in die Schweizer Kinos.

«Hen» / © NIFFF
«Hen» von Nico Scheepers
Der südafrikanische Slowburn-Horrorfilm gewann am NIFFF zu Recht den Jurypreis «H. R. Giger ‹NARCISSE› Award for Best Feature Film». Weit weg von hastigen Jumpscares lebt das Unheimliche in «Hen» in den kleinen Details der sorgfältig arrangierten Schwarzweiss-Bilder. Der Film beginnt mit Dawid (Stian Bam), der inmitten von Leichen einen Jungen in einer Kiste findet und ihn mit nach Hause nimmt. Von da an begleitet einen während jeder Minute des Films das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Die Frage ist nicht ob, sondern was – und wann das Unheil losbricht. Dabei verzichtet Regisseur und Autor Nico Scheepers auf einen klassischen Horror-Soundtrack und arbeitet stattdessen mit Stille und natürlichen Geräuschen. Wer rasante Hochspannung sucht, wird mit «Hen» wahrscheinlich nicht warm werden. Aber wer sich auf diese andere Art von langsamer Spannung einlassen kann, findet hier ein einzigartiges Werk.

«My Daughter Is a Zombie» / © NIFFF
«My Daughter Is a Zombie» von Pil Gam-sung
Trotz des Titels ist die südkoreanische Familienkomödie «My Daughter Is a Zombie» auch für Leute geeignet, die nicht viel mit Horror am Hut haben. Denn hier geht es nicht um spritzendes Blut oder Nervenkitzel, sondern vor allem um viel Humor und Herz. Teenager Soo-ah (Choi Yu-ri) wird während einer Zombie-Apokalypse zum Zombie. Die Regierung fordert die Eliminierung aller Infizierten, aber Vater Jung-hwan (Jo Jung-suk) besteht darauf, dass seine Tochter doch noch irgendwo im Zombiekörper drinsteckt. Also flüchtet er mit ihr ins abgelegene Haus seiner Mutter Bam-sun (Lee Jung-eun), um zu versuchen, Soo-ahs Menschlichkeit wieder zu wecken – oder ihr zumindest abzutrainieren, alles und jede*n zu beissen. Der Film war bereits ein Kassenschlager in Südkorea, und es ist leicht zu verstehen, wieso: Gefüllt mit gelungener Situationskomik und sympathischen Figuren, macht «My Daughter Is a Zombie» einfach Spass. Und dann ist da noch diese eine Katze… Kein Wunder, hat der Film am NIFFF den Publikumspreis für den besten asiatischen Film gewonnen.

«Teenage Sex and Death at Camp Miasma» / © Filmcoopi/NIFFF
«Teenagex Sex and Death at Camp Miasma» von Jane Schoenbrun
Das Slasher-Horror-Genre ist seit jeher mit der Spannung zwischen Gewalt und Erotik verknüpft. Regieperson Jane Schoenbrun («I Saw the TV Glow») geht dieser Faszination in «Teenage Sex and Death at Camp Miasma» auf die Spur – für einmal aber aus einer queeren Perspektive. Dabei erhebt Schoenbrun aber keinen moralischen Zeigefinger, ganz im Gegenteil: Schoenbrun gelingt es, das Genre zugleich zu dekonstruieren und ihm im selben Atemzug einen unverhohlenen Liebesbrief zu widmen. Hypnotisch grandios ist zudem Gillian Anderson («The X-Files») in ihrer Rolle aus ehemaliges «Final Girl»; doch Hannah Einbinder («Hacks») steht ihr als Jungregisseurin, welche die ältere Schauspielerin für ihr Slasher-Remake gewinnen will, in nichts nach. / CH-Kinostart: 20.8.2026

«Gaua» / © NIFFF
«Gaua» von Paul Urkijo Alijo
Fans von Folk-Horror und alten Sagen sollten sich «Gaua» auf keinen Fall entgehen lassen. Kattalin (Yune Nogueiras) flieht im Baskenland des 17. Jahrhunderts vor ihrem Ehemann in den Wald – mitten in der Nacht, der Zeit der «Nokturnalen». Voller baskischer Sagen beginnt «Gaua» mit einzelnen Geschichten, die sich jedoch bald zusammenweben und durch verschiedene Perspektiven bekannten Erzählungen geschickt neue Interpretationen verleihen. Dabei nutzt Regisseur und Autor Paul Urkijo Alijo die Folklore nicht einfach nur als Hintergrund, sondern taucht voll in ihn ein. Daraus resultieren unter anderem wunderbare Kreaturen-Designs und malerische Bilder, die direkt aus einem Sagenbuch stammen könnten.

«Mum, I’m Alien Pregnant» / © NIFFF
«Mum, I’m Alien Pregnant» von Sean Wallace und Jordan Mark Windsor
Die neuseeländische Komödie «Mum, I’m Alien Pregnant» lief in der «Ultra Movie»-Kategorie des NIFFF, und tatsächlich dürften die vielen ekligen (Alien-)Dinge, die hier passieren, nicht jedermanns Sache sein. Wer das aber aushält, wird hier mit einer wahnsinnig unterhaltsamen Komödie über eine ungewollte Schwangerschaft belohnt – voll mit jenem grandiosen tiefschwarz-trockenen Humor, den die Neuseländer*innen so wunderbar gut können. Die erwachsene Mary (Hannah Lynch) lebt immer noch bei ihrer Mutter, als sie Boo (Arlo Green) begegnet, der einen Alien-Penis hat. Im Grunde will Mary nur aus Neugierde gucken, aber dummerweise reicht schon ein kurzer Spritzer für eine Alien-Schwangerschaft – eine Schwangerschaft, die Mary definitiv nicht will, die aber gar nicht so einfach wieder loszuwerden ist, zumal die Ärzte im Spital sich lieber fasziniert um dem Alien-Penis kümmern. Die Botschaft hinter der Szene ist klar, und es ist diese Kombination aus Gesellschaftskritik, Humor und Ekel, die «Mum, I’m Alien Pregnant» so wunderbar macht.
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Mehr Informationen über das Neuchâtel International Fantastic Film Festival sowie die komplette List aller Gewinnerfime gibt es auf der Website des NIFFF.










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