Ganz bescheiden spielen in Kristoffer Borglis neuem Film «The Drama» zwei hyperbekannte A-Lister ein glücklich-verliebtes Paar. Eine düstere Vergangenheit wirft aber einen Schatten auf die baldige Hochzeit und sorgt für Panikstimmung. Bleibt nur noch die Frage: Trägt die «Face-Card» der Hollywood-Sternchen dieses Beziehungsdrama, oder braucht es mehr dahinter?
Buchhändlerin Emma (Zendaya) und Museumsdirektor Charlie (Robert Pattinson) stehen in den letzten Vorbereitungen zu ihrer Hochzeit. Beim Feinschliff ihrer Ehegelübde scheint aufzufallen: Schnulziger könnte das Pärchen nicht sein: eine dusselige Kennenlerngeschichte, ein erster Kuss wie im Film, eine bevorstehende Vorzeigehochzeit mitsamt Tanzchoreografie. Bei der Verkostung des Festmenüs werden die beiden von Trauzeugin Rachel (Alana Haim) und deren Partner Mike (Mamoudou Athie) nach einigen Flaschen Wein zu einem Beichtspiel genötigt: «Was ist das Schlimmste, was ihr je getan habt?» Alle haben etwas Unangenehmes auf Lager, doch als Emma ihre Beichte ausspricht, verstummt der Raum. Charlie stürzt daraufhin in eine düstere Spirale; er kann Emma fast nicht mehr in die Augen blicken, obwohl doch genau das in der kommenden Hochzeitswoche ziemlich wichtig wäre.
«The Drama» ist nicht zuletzt ein Schauspieler*innen-Film. Robert Pattinson («The Lighthouse», «Mickey 17») konnte sich mit den Jahren aus seinem «Twilight»-Schönlingsruf in den eines profilierten, risikofreudigen Schauspielers retten. Zendaya («Euphoria», «Dune»), die bis anhin oft noch im Blockbuster-Gewässer herumgeirrt ist, erreicht noch nicht ganze dieselbe emotionale Tiefe. Da sie aber auch noch zehn Jahre jünger ist, hat Pattinson vielleicht einen kleinen Vorsprung in seinem dramatischen Können. Trotzdem hält sie hier gut mit und bringt eine leichtfüssige Agilität in ihre Rolle. Die Chemie stimmt wunderbar, das Paar scheint glaubwürdig.

Robert Pattinson und Zendaya in «The Drama» / © Ascot Elite Entertainment. All Rights Reserved.
Mag man über kleine Hollywood-Märchen hinwegsehen – etwa, dass Pattinson einen scheuen Museumsdirektor spielt oder Zendaya von einem Flashback zum anderen von einer nerdigen Schülerin zum Supermodel mutiert. Man muss aber zugeben, dass dahinter wohl ein Konzept stecken wird. Denn in «The Drama» werden schöne Menschen zu Monstern, aber eben halt nicht optisch – sondern moralisch.
Hier entfaltet sich auch die kleine Farce, die der Film dem Publikum zumutet. Das grosse «schlimme Geheimnis» wird mit einigen blitzartigen Rückblenden geschmückt, die tonfallmässig derart aus dem Rahmen fallen, dass die Gesamtstimmung des Filmes immer wieder ins Wanken gerät. Etwas mehr Feingefühl hätte der Grenze zwischen Humor und schwierigem Drama noch gut getan. Auf die Flashbacks zu verzichten, wäre jedoch auch die falsche Lösung gewesen, denn der Rest gibt ein stimmiges Bild ab; das Publikum lacht an den richtigen Stellen.
«Spass macht es auf jeden Fall, sich im Kino dem Drama zu widmen.»
Insgesamt gibt einem der weniger als zwei Stunden lang dahinplätschernde Film aber doch oft ein Kurzfilm-Gefühl – als hätten die beiden Hauptdarsteller*innen vor ihren anstehenden Mega-Blockbustern «Dune: Messiah» und «The Odyssey» noch kurz zu einer Aufwärmübung zusammengefunden. Erzählerisch bleibt auch einiges beiläufig: Ideen werden angerissen, aber nicht ausgereift. Die Moral, die an sich die Basis des Films ist, erweist sich als etwas sperrig. Trotzdem: Spass macht es auf jeden Fall, sich im Kino dem Drama zu widmen.
Die heimliche Bösewichtin des Films ist indes Alana Haims Figur, die hier ausgezeichnet schelmisch spielt. Ihr Geständnis ist nämlich mindestens genauso schwerwiegend wie jenes von Emma. Sie inszeniert es aber so, als hätte sie die moralische Überlegenheit. Schnell wird klar, dass sie vor allem das grosse Drama drumherum reizt. Haims unangenehmem, modernem Realismus zuzusehen, macht wie immer Spass: Die gelernte Musikerin, die dank exzellenter beruflicher Verbindungen Rollen bei Paul Thomas Anderson («Licorice Pizza») und Kelly Reichardt («The Mastermind») landen konnte, beweist auf der Leinwand einmal mehr ernst zu nehmendes Talent und entwickelt sich zu einer echten Charakterdarstellerin. An ihrer Seite verleiht Mamoudou Athie («Kinds of Kindness») eine gute Mischung aus Mitgefühl, Verwirrtheit und Ekel, die sich wohl auch in den Gesichtern der Zuschauer*innen abspielt.

Alana Haim in «The Drama» / © Ascot Elite Entertainment. All Rights Reserved.
«Zu sehr stützt sich der Film auf kleine Twists und Schockelemente, die das Momentum des Nichtwissens brauchen, um optimal zu funktionieren.»
Nachdem man «The Drama» gesehen hat, ertappt man sich unweigerlich bei der gleichen Frage wie die Protagonist*innen: Was ist das Schlimmste, das man je getan hat? Auch dank dieser «Interaktivität» ist der Film von Kristoffer Borgli («Dream Scenario») unterhaltsam; die wenigen Minuten verfliegen rasch, unterstützt von souveränen und lustigen Schauspielleistungen und guten Lachern. Das «Rewatch»-Potenzial könnte aber dennoch höher sein. Zu sehr stützt sich der Film auf kleine Twists und Schockelemente, die das Momentum des Nichtwissens brauchen, um optimal zu funktionieren.
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Kinostart Deutschschweiz: 2.4.2026
Filmfakten: «The Drama» / Regie: Kristoffer Borgli / Mit: Zendaya, Robert Pattinson, Alana Haim, Mamoudou Athie / USA / 106 Minuten
Bild- und Trailerquelle: Ascot Elite Entertainment
Eine simple Frage bringt in «The Drama» das scheinbar perfekte Paar ins Wanken. Schuld, Scham, Liebe und der moralische Abgrund – Kristoffer Borglis Film ist äusserst unterhaltsam.










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