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«Elle» von Paul Verhoeven

Von Alan Mattli @AlanMattli · On Januar 31, 2017


Der niederländische Genre-Meister Paul Verhoeven („RoboCop“, „Total Recall“, „Basic Instinct“, „Starship Troopers“) legt mit „Elle“ ein kleines, gemeines Psychodrama vor, aus dem vor allem die grandiose Isabelle Huppert heraussticht.

Es ist nicht einfach, diese provokante Charakterstudie einzuordnen – geschweige denn, überhaupt bis zu ihrem Kern vorzustossen. Die Geschichte der erfolgreichen Geschäftsfrau Michèle (Huppert), der Tochter eines Serienmörders, die von einem maskierten Einbrecher vergewaltigt wird, davon aber weniger traumatisiert als amüsiert-pikiert ist, bietet sich für eine ganze Reihe von Interpretationen an. Ist Michèle eine Soziopathin? Gefällt sie sich in der Rolle der mächtigen Rächerin, die ihren Peiniger zu entlarven versucht? Suggeriert ihre kalkulierende Abgeklärtheit – mit der sie auch ihren Ex-Mann, ihre Freunde, ihre Arbeitskollegen und ihre Nachbarn hintergeht und leise verhöhnt –, dass sie vor so vielen Jahren all die Morde begangen hat, für die ihr Vater nun lebenslänglich einsitzt?

Diese Fragen müssen vom Publikum aus „Elle“ herausgearbeitet werden, da der Film selbst eine fast schon quälend konsequente Neutralität praktiziert. Noch vor der ersten Aufblende ist Michèles Vergewaltigung zu hören; in der Folge bekommt man sie – wenn auch in leicht abgeänderter Form – auch noch zu sehen. Doch auf Emotionen zielen Verhoeven und Drehbuchautor David Birke, dem Philippe Dijans Roman „Oh…“ (2012) als Vorlage diente, hier nicht ab. Vielmehr passen sie den Tonfall ihrer Hauptfigur an: kalt, gleichgültig, gnadenlos – irgendwo zwischen David Cronenberg, Gaspar Noé und den düstersten Werken Claude Chabrols.

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Michèle Leblanc (Isabelle Huppert) in „Elle“.

Insofern überrascht es kaum, dass Isabelle Huppert in jeder Beziehung das Zentrum des Films darstellt. So undurchsichtig und schwer fassbar ihre Michèle auch sein mag, sie fasziniert von Anfang bis Ende. Ihr Innenleben, ihre nächsten Schritte anhand von Hupperts reduzierter Mimik und Gestik zu erahnen, ist die anregendste Auseinandersetzung, zu der die Zuschauer hier animiert werden. Wie schon in Mia Hansen-Løves „L’avenir“ (2016) ist die unvergleichliche Huppert der Angelpunkt eines Films, der im Grossen und Ganzen ohne klassische Dramaturgie auskommt und somit ganz auf die Strahlkraft seiner Hauptfigur angewiesen ist.

Doch während „L’avenir“ einen durch und durch menschlichen Kern hatte, beharren Verhoeven und Birke auf ihrer eisigen Provokation. Das ist zwar durchaus spannend, hinterlässt aber – Huppert ausgenommen – längerfristig nur bedingt einen Eindruck. Darüber hinaus muss man sich auch fragen, was für Zeichen ein Film aussendet, dessen Konzeption einer „starken Frau“ das gelassene Ignorieren von Vergewaltigung ist. Es steht jedoch ausser Frage, dass „Elle“ ein Film ist, über den es sich zu diskutieren lohnt.

–––

Kinostart Deutschschweiz: 2.2.2017

Filmfakten: „Elle“ / Regie: Paul Verhoeven / Mit: Isabelle Huppert, Christian Berkel, Anne Consigny, Virgine Efira, Laurent Lafitte, Charles Berling / Frankreich, Deutschland, Belgien / 130 Minuten

Bild- und Trailerquelle: Frenetic Films

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Alan Mattli

«The best films are like dreams you're never sure you've really had»

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