Im Weltraum filmen Regisseur*innen oft Technik, Katastrophen oder Heldentum. «Project Hail Mary» tut das auch – und füllt das Vakuum mit etwas Seltenem: Nähe. Freundschaft im Orbit ist hier kein Nebeneffekt, sondern die eigentliche Schwerelosigkeit der Geschichte.
Im Kino ist Science-Fiction oft ein Schauplatz für grosses Spektakel mit galaktischen Weltraumschlachten, fremden Welten, explodierenden Galaxien und heroischen Superheld*innen. Oder sie zeigt das Gegenteil: klaustrophobe Aufklärungen eines Mysteriums mit schleimigen Kreaturen und beklemmender Stille. Sci-Fi ist selten leise und leicht. Und auch die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller («21 Jump Street», «The Lego Movie») spielen in «Project Hail Mary» mit diesen Motiven. Doch hinter der dunklen Weite des Alls verbirgt sich hier eine Geschichte, die im Kern viel intimer ist: eine über Freundschaft.
«Project Hail Mary» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir, der sich schon mit der Buchvorlage für «The Martian» (2015) einen Namen in Hollywood gemacht hat. Erneut steht hier ein Protagonist im Mittelpunkt, der im Weltall auf sich allein gestellt ist. Doch diesmal spielt die Geschichte nicht auf dem Mars, sondern irgendwo in den unendlichen Weiten des Universums. Naturwissenschaftslehrer Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht in seinem Raumschiff ohne Erinnerung daran, wie er hier gelandet ist. Die übrige Besatzung ist tot, er hat keine Ahnung, wie man das Schiff steuert, von der Erde trennen ihn unüberwindliche Lichtjahre. Bruchstück für Bruchstück reimt er sich seine Erinnerung zusammen und beginnt, den Sinn seiner Mission zu entschlüsseln.

Ryan Gosling in «Project Hail Mary» / © 2026 Amazon Content Services LLC
Was sich zunächst wie eines der erwähnten, bestens bekannten Sci-Fi-Motive anhört, erweist sich bald als überraschend emotionale Geschichte, erzählt mit einer Leichtigkeit, die im Genre selten ist. Humor und Lockerheit werden zur filmischen Schwerelosigkeit, im Gegensatz zu vielen Weltraumerzählungen, deren Gravitation die Gefühlslage nach unten zieht. Wo Andy Weirs – und Ridley Scotts – «The Martian» mit Biologie und Physik den Realismus betonte, hält sich «Project Hail Mary» mit theoretischen Abhandlungen zurück. Stattdessen rückt die Emotionalität der Hauptperson in den Fokus.
«Erzählt mit einer Leichtigkeit, die im Genre selten ist.»
Ryan Gosling («La La Land», «Barbie») spielt Ryland mit einer Vielfalt an Facetten, welche die gesamte Charakterentwicklung seiner Figur unterstreicht. Vom verschrobenen, einsamen Wissenschaftler über den unerwarteten Freund bis hin zum entschlossenen Helden spielt er die gesamte Bandbreite, ohne die Verletzlichkeit und Unbeholfenheit der Figur aus den Augen zu verlieren. Mit zwei Stunden Leinwandpräsenz trägt Gosling den Film – doch dann gelingt es Sandra Hüller («Anatomie d’une chute», «The Zone of Interest») mit einer einzelnen Szene, den Kosmos an sich zu reissen und Gosling buchstäblich die Show zu stehlen.
Während Ryland in der ersten Hälfte des Films immer weiter in sein Abenteuer vorstösst, enthüllen Rückblenden nach und nach die Vorgeschichte auf der Erde. Als er sich schliesslich seinem Missionsziel nähert, trifft er auf etwas, das den kompletten Film auf den Kopf stellt – aus der klassischen Rettungsgeschichte wird eine Erzählung über Beziehungsaufbau und Vertrauen, herzergreifend und leicht zugleich. Auch wenn sich das Drehbuch zwischenzeitlich etwas zu viel Zeit nimmt, wird es die zweite Hälfte von «Project Hail Mary» sein, die sich in der Erinnerung festsetzt.

Ryan Gosling und Sandra Hüller in «Project Hail Mary» / © 2026 Amazon Content Services LLC
Was Greg Fraiser («Dune», «The Creator») indessen mit seiner Kamera auf die Leinwand zaubert, ist grosses Kino. Mit audiovisuellen Farbexplosionen beweist er erneut, dass kaum jemand das Vakuum des Alls eindrücklicher darzustellen weiss als er. Die Schwerelosigkeit wird mit ruhigen, dreidimensional wirkenden Einstellungen eingefangen, sodass es scheint, als würde der Kinosaal selbst zu schweben beginnen.
«Mit smartem Humor, Herz und einem Hauch von Schwerelosigkeit könnten sich der Film und vor allem seine Figuren einen Stern am Kinohimmel erobern.»
«Project Hail Mary» ist eine Mischung aus bekannten Mustern und erprobten Geschichten. Doch das wirkt weder wie eine Retorte noch wie eine müde Wiederholung. Im Gegenteil: Gerade, weil er sich auf Freundschaft und Menschlichkeit inmitten der kosmischen Leere konzentriert, bekommt die Formel der Weltraumabenteuer ein neues Rezept. Mit smartem Humor, Herz und einem Hauch von Schwerelosigkeit könnten sich der Film und vor allem seine Figuren einen Stern am Kinohimmel erobern.
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Kinostart Deutschschweiz: 19.3.2026
Filmfakten: «Project Hail Mary» / Regie: Phil Lord, Christopher Miller / Mit: Ryan Gosling, Sandra Hüller, James Ortiz, Lionel Boyce / USA / 156 Minuten
Bild- und Trailerquelle: 2026 Amazon Content Services LLC
«Project Hail Mary» ist herzergreifende Science‑Fiction mit smartem Humor und etwas zu lang geratener Schwerelosigkeit – dafür mit Figuren, die an Herz wachsen.










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