In «The Bad Guys 2» müssen die tierischen Antiheld*innen um Mr. Wolf allen beweisen, dass sie es gut meinen – und gleichzeitig eine Diebesbande dingfest machen. Die Fortsetzung zum animierten Überraschungserfolg ist eine rasante, überdrehte Angelegenheit, die Laune macht.
Ein versehentlicher Erfolg – so lässt sich die animierte Heist-Komödie «The Bad Guys» aus dem Jahr 2022 wohl am besten beschreiben. Immerhin gab es keine Indizien, dass der Animationsfilm von Pierre Perifel so einschlagen würde: Die Pandemie war damals noch in vollem Gang und der letzte erinnerungswürdige Film von DreamWorks lag bereits drei Jahre zurück. Auch der Film selber, basierend auf einem mässig bekannten Kinderbuch, dessen Rechte das Studio wahrscheinlich günstig erstehen konnte, wirkte mehr wie ein Überbleibsel des «alten» DreamWorks: Die Erfolgschmiede manövrierte sich nach Abschluss der «Shrek»-Reihe mit uninspirierten und unglücklichen Kinderbuch-Verfilmungen immer weiter ins Abseits und wurde 2016 an Comcast verkauft.
Dass also ausgerechnet dieser Film über die «Bad Guys» – eine Bande von anthropomorphen Antiheld*innen bestehend aus Mr. Wolf (Stimme: Sam Rockwell), Mr. Snake (Stimme: Marc Maron), Ms. Tarantula (Stimme: Awkwafina), Mr. Shark (Stimme: Craig Robertson) und Mr. Piranha (Stimme: Anthony Ramos) – das serbelnde Studio wiederbeleben sollte, war nicht zu erwarten.
Doch genau das passierte: «The Bad Guys» spielte sein schlankes Budget von rund 80 Millionen Dollar um ein Vielfaches ein und bewies mit seiner wilden Story, seinem eigenwilligen Humor und dem verspielten Look auch auf kreativer Ebene, dass mit dem Studio wieder zu rechnen war. All das unterstrich der später im selben Jahr veröffentlichte «Puss in Boots: The Last Wish» noch einmal zusätzlich: Das «Shrek»-Spinoff landete auf der Top 10 der erfolgreichsten Filme 2022 und schnappte sich die erste Oscarnomination für das Studio in einer Ewigkeit. DreamWorks war wieder zurück.

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.
Die Frage, die sich also nun, vor dem Kinostart von «The Bad Guys 2» stellt, lautet: Können DreamWorks und Regisseur Pierre Perifel beweisen, dass «The Bad Guys» kein Versehen war? Oder war der erste Film unter anderem deshalb so gut, weil niemand damit gerechnet hat? Als hätte er mit dieser Frage gerechnet, eröffnet Perifel seine Fortsetzung genauso atemlos wie den ersten Teil: Die «Bad Guys» haben gerade eine teure Ganovenkarre gestohlen und brausen damit in bester «Fast and Furious»-Manier auf der Flucht vor der Polizei durch Ägypten. Mit seiner waghalsigen Eröffnungsszene schlägt der Franzose den Ton für die rasante Heist-Komödie an, die in den darauffolgenden 100 Minuten von einem überdrehten Action-Highlight zum nächsten hüpft und dabei auch keine Pointe auslässt.
«The Bad Guys 2» ist, wie schon der Vorgänger, eine entfesselte Tour de Force, bei der die Maxime «Geht nicht, gibt’s nicht» gilt. Da türmen sich Menschenmassen auch mal tsunamiähnlich auf, und Weltraumraketen werden mitten im Flug bestiegen – all das, während Daniel Pemberton («Spider-Man: Across the Spider-Verse») einen energiegeladenen Score beisteuert.
«‹The Bad Guys 2› ist, wie schon der Vorgänger, eine entfesselte Tour de Force, bei der die Maxime ‹Geht nicht, gibt’s nicht› gilt.»
«Exaggeration» – «Übertreibung» – lautet eines der Grundprinzipien des Animierens, und Perifel und Co. haben sich dieses offensichtlich zu Herzen genommen: Gesichtsausdrücke, Autos, Häuser – alles wird überzeichnet und ins Komische verfremdet. In Zeiten von Disney’scher Scheinperfektion und Sauberkeit ist die Spielfreude und Lockerheit von «The Bad Guys 2», der gekonnt 3D- und 2D-Elemente kombiniert, angenehm erfrischend. Gerade weil die Macher*innen aufs Ganze gehen und die Grenzen des Animationsfilms mit spürbar viel Freude ausloten, macht dieser Film so viel Spass wie schon lange kein Studio-Animationsfilm mehr.

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.
Dabei ist der Alltag der «Bad Guys» in dieser Fortsetzung zunächst gar nicht so aufregend, wie man meinen könnte: Der eigentliche Film setzt fünf Jahre nach der bereits erwähnten Ägypten-Verfolgungsjagd ein. Inzwischen sind die Antiheld*innen (den Ereignissen des ersten Films sei Dank) auf die gute Seite gewechselt und im Alltag angekommen: Adieu, Verfolgungsjagd – hallo, Vorstellungsgespräch. Doch der Einstieg ins Berufsleben gestaltet sich schwierig, wenn man eine Absage nach der anderen kassiert – niemand möchte mit ehemaligen Ganov*innen zusammenarbeiten. Wie also der Gesellschaft zeigen, dass man es wirklich gut meint? Als eine Diebesbande um den mysteriösen «Phantom Bandit» ihr Unwesen treibt, wittern die «Bad Guys» ihre Chance, es allen zu beweisen.
«Perifel gelingt es, die verschiedenen Figuren aus dem ersten Teil zu vertiefen und gleichzeitig die verschiedenen Neuzugänge gut einzubinden.»
Dass Perifel und seine Drehbuchautor*innen Yoni Brenner («Rio 2») und Etan Cohen («Get Hard», nicht zu verwechseln mit Ethan Coen) mit ihrer Story über lieb gewonnene Bösewicht*innen und die Verlockungen des Ganov*innentums das Rad nicht gerade neu erfinden, ist das eine. Dass sie das aber in ohnehin schon gefährlicher Nähe zur «Despicable Me»-Reihe tun (beide Franchises gehören demselben Konzern), trübt die Freude an diesem absurden und abgedrehten Trip leicht. Gut, dass der Film genug Alleinstellungsmerkmale hat, um sich von Gru und Co. abzusetzen – allem voran seine coolen, tierischen Protagonist*innen. Perifel gelingt es, die verschiedenen Figuren aus dem ersten Teil zu vertiefen und gleichzeitig die verschiedenen Neuzugänge um die von Danielle Brooks («Orange is the New Black») gesprochene Kitty Kat gut einzubinden. Das macht Hoffnung für einen nächsten Film.

© Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.
«Mit Perifel und den‹Bad Guys› ist auch in Zukunft zu rechnen.»
Mit dem mutigen und überdrehten «The Bad Guys 2» bringt Regisseur Pierre Perifel viel frischen Wind in die Animationsfilmwelt und beweist eindrücklich, dass der Erfolg des ersten Films vielleicht ein Versehen gewesen sein mag, aber ganz bestimmt kein Zufall. Ob die Fortsetzung um die charmanten Antiheld*innen an den Kinokassen ebenso einschlagen kann wie der Vorgänger, wird sich erst noch zeigen müssen. Aber schon jetzt steht fest: Mit Perifel und den «Bad Guys» ist auch in Zukunft zu rechnen.
–––
Kinostart Deutschschweiz: 28.8.2025
Filmfakten: «The Bad Guys 2» / Regie: Pierre Perifel / Mit: Sam Rockwell, Marc Maron, Anthony Ramos, Craig Robinson, Awkwafina, Danielle Brooks, Maria Bakalova, Natasha Lyonne, Lilly Singh, Richard Ayoade, Zazie Beetz, Alex Borstein / USA / 104 Minuten
Bild- und Trailerquelle: Universal Pictures Switzerland
«The Bad Guys 2» steht dem Vorgänger punkto Action und Humor in nichts nach und kann auch visuell überzeugen. Nur etwas weniger Nähe zu den «Despicable Me»-Filmen täte dieser Franchise gut.










No Comments