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«Star Wars: The Mandalorian and Grogu» von Jon Favreau

Von Mosci @mosci · On Juni 6, 2026


«Star Wars» ist zurück im Kino: Der Abschluss der Serie «The Mandalorian» wurde auf die grosse Leinwand verlegt. Baby-Yoda alias Grogu und sein kopfgeldjagender Begleiter sollen das Franchise nach vielen Jahren Abwesenheit im Kinosaal neues Leben einhauchen, doch sie können sich nicht komplett aus dem Serienformat lösen.

Seit sieben Jahren warten «Star Wars»-Fans auf einen neuen Film. Die Zeit wurde mit diversen Serien überbrückt; und nun ist es mit «Star Wars: The Mandalorian and Grogu» endlich wieder so weit, dass eine Geschichte «vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie» auf der grossen Leinwand erzählt wird. Dabei handelt es sich jedoch nicht etwa um einen neuen Hauptfilm, oder gar den Start in eine neue Trilogie, sondern um einen Ableger und das Finale der gleichnamigen Serie. 

Im Mittelpunkt der Geschichte der Kopfgeldjäger Din Djarin (Pedro Pascal), den alle nur als Mandalorianer kennen. Seine Herkunft prägt ihn bis heute: Die Mandalorianer sind ein Kriegerorden, der für seine Rüstungen, seinen starken Ehrenkodex und seine aussergewöhnliche Kampfkunst bekannt ist. Gemeinsam mit Grogu, der vielen Fans noch immer als «Baby Yoda» bekannt sein dürfte, hat er bereits zahlreiche Abenteuer erlebt. Nach drei Staffeln auf Disney+ führt die Reise der beiden nun erstmals ins Kino.

«Star Wars: The Mandalorian and Grogu» / © Lucasfilm

Im Grunde geht es in diesem Finale nicht um viel. Das ungleiche Duo soll für die neue Republik einen Kriegsflüchtling aufspüren und in die Basis zurückbringen, um Informationen über das Imperium zu erhalten – ein Auftrag wie jeder andere. Und da beginnen schon die Probleme für den Mandalorian, weil die Sache offenbar doch nicht so einfach ist, wie es scheint. Dasselbe gilt aber auch für den Film: Die Erzählung muss nun nicht mehr als Serie funktionieren, kann aber diese Grundeinstellung nicht abschütteln. Das Gefühl lässt sich über weite Strecken nicht loswerden, dass das Drehbuch von Jon Favreau («Iron Man», «The Lion King»), Dave Filoni («Star Wars: The Clone Wars», «Avatar: The Last Airbender») und Noah Kloor («The Mandalorian», «The Book of Boba Fett») fürs Streaming und nicht für die grosse Leinwand geschrieben ist. 

So verliert sich die erste Hälfte des Films in einer episodischen Erzählweise, welche die Handlung nur schleppend voranbringt. Din und Grogu reisen von Planet zu Planet, sammeln Hinweise und landen dennoch immer wieder in Sackgassen. Das mag in einem Computerspiel beim Erledigen von Quests funktionieren oder in einer Serienfolge als Cliffhanger für die nächste Episode dienen. Im Kino entwickelt diese Struktur jedoch nur wenig Sog. Da sorgt höchstens das Pausenglace für Abwechslung.

«Die stärksten Momente gehören Grogu. Als die kleine grüne Figur plötzlich auf sich allein gestellt ist, verschiebt sich die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren.»

Erst in der zweiten Hälfte beginnt die Geschichte, sich wie ein Kinofilm anzufühlen. Die Mission erhält eine klare Richtung, die Dramaturgie gewinnt an Fahrt, und zwischen dem Mandalorianer und Grogu entstehen authentische Momente, die mehr über ihre Beziehung erzählen als die meisten Dialoge. In diesen Szenen nimmt sich der Film Zeit für seine Figuren, für kleine Details, für das Worldbuilding. Die stärksten Momente gehören dabei Grogu. Als die kleine grüne Figur plötzlich auf sich allein gestellt ist, verschiebt sich die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren: Aus dem Beschützten wird zeitweise der Beschützer. In diesen Szenen findet der Film eine emotionale Ebene, die weit über den eigentlichen Abenteuerplot hinausgeht. Hier fühlt sich «The Mandalorian and Grogu» tatsächlich wie ein echter «Star Wars»-Film an.

Leider bleiben diese Momente die Ausnahme. Immer wieder fällt der Film in seine episodische Erzählweise zurück und verspielt damit einen Teil der zuvor aufgebauten Dynamik. Die Geschichte kratzt zwar an spannenden Fragen über die Beziehung seiner beiden Hauptfiguren, schöpft dieses Potenzial jedoch nie vollständig aus. Gleichzeitig setzt das Ganze auch etwas gar viel Vorwissen voraus. Wer die Serie nicht kennt, erfährt nur wenig darüber, wer der Mandalorianer und Grogu sind, woher sie kommen und weshalb sie gemeinsam auf Reise sind. Zudem lassen Favreau und Co. diverse Fragen aus der Serie, vor allem rund um Grogu, weiterhin bewusst offen und verzichten somit darauf, einige der grössten Mysterien der Serie weiterzuentwickeln. Zwar steuert die Handlung schliesslich auf einen klassischen Höhepunkt zu, dieser bleibt jedoch vorhersehbar und erreicht nie die emotionale Wucht, die ein grosses Serienfinale mitbringen sollte.

Pedro Pascal in «Star Wars: The Mandalorian and Grogu» / © Lucasfilm

Zu den Stärken des Films zählen dafür die Actionszenen. Bereits der Filmbeginn wirft die Zuschauer*innen mitten in ein Gefecht mit bekannten imperialen Maschinen und demonstriert eindrucksvoll die Kampffähigkeiten des Kopfgeldjägers Din. Technisch überzeugt der Streifen: CGI-Effekte, Grogu als Animatronic-Puppe und sogar Stop-Motion-Animationen fügen sich stimmig in das «Star Wars»-Universum ein und sorgen für abwechslungsreiche Bilder. Allerdings erreicht der Film damit vor allem den hohen Standard, den bereits die Serie gesetzt hat. Wahrlich neue visuelle Akzente oder Momente, die das Potenzial der grossen Leinwand ausschöpfen, bleiben hingegen rar.

Wer wiederum vor allem wegen Pedro Pascal («Eddington», «Materialists») ins Kino geht, dürfte enttäuscht werden. Der «The Last of Us»-Star (2023– ) ist nur ein paar Minuten ohne seinen Helm zu sehen und leiht dem Mandalorianer sonst nur seine Stimme. Einen Grossteil der körperlichen Darstellung übernehmen Brendan Wayne und Stuntman Lateef Crowder. Was bereits in der Serie eine Herausforderung war, fällt in diesem Format noch stärker ins Gewicht: Viele Emotionen werden über Mimik und Gesichtsausdrücke vermittelt. Bleiben diese unter dem ikonischen Helm verborgen, bleibt auch die Figur des Mandalorianers emotional auf Distanz.

«Wer vor allem wegen Pedro Pascal ins Kino geht, dürfte enttäuscht werden.»

Auch Sigourney Weaver («Alien», «Avatar») bleibt als Colonel Ward weitgehend auf der Rolle einer Expositionsfigur sitzen und erhält kaum Gelegenheit, ihrer Figur mehr Tiefe zu verleihen. Und auch Shootingstar Jeremy Allen White («The Bear», «Springsteen: Deliver Me from Nowhere») bleibt als Stimme von Rotta the Hutt nur eine Randnotiz.

Umso bemerkenswerter ist es, dass ausgerechnet Grogu zum emotionalen Mittelpunkt des Films wird. Mit seinen humorvollen Einlagen, neugierigen Blicken und überraschend herzlichen Momenten sorgt die kleine grüne Figur für jene Gefühle, die vielen menschlichen Akteur*innen fehlen. Mit seinen Szenen spielt er sich direkt in die Herzen der Zuschauer:innen. 

Sigourney Weaver in «Star Wars: The Mandalorian and Grogu» / © Lucasfilm

«The Mandalorian and Grogu» wurde als grosses Finale der «Mandalorian»-Serie angekündigt. Diesem Marketingversprechen kann Favreaus Film aber nicht gerecht werden. Für ein beliebiges Abenteuer von Din Djarin mag das reichen, für ein Finale gilt jedoch: «This is not the way.» Zwar beschreibt die Geschichte einen in sich geschlossenen Handlungsbogen, das Gefühl eines grossen Abschlusses will sich jedoch nie einstellen. Dafür steht zu wenig auf dem Spiel. Es fehlen viele der Zutaten, die ein «Star Wars»-Kinoereignis ausmachen: ein übermächtiger Bösewicht, eine spürbare Bedrohung, die ikonischen Momente, für welche die Reihe bekannt ist. Sogar einen Lichtschwertkampf sucht man vergeblich. 

«Am Ende stellt sich die Frage, für wen dieser Film überhaupt gedacht ist. Er tut niemanden weh, weil er zu brav bleibt, kann aber auch keine neuen Akzente in einem der bekanntesten Film-Franchises setzen.»

Am Ende stellt sich die Frage, für wen dieser Film überhaupt gedacht ist. Er tut niemanden weh, weil er zu brav bleibt, kann aber auch keine neuen Akzente in einem der bekanntesten Film-Franchises setzen. Langjährige «Star Wars»-Fans erfahren kaum etwas Neues, während Neueinsteiger*innen ohne das Vorwissen aus drei Serienstaffeln oft aussen vor bleiben. So fällt «The Mandalorian and Grogu» zwischen Stuhl und Bank: zu sehr Serienfortsetzung für das breite Kinopublikum, aber zu wenig Ereignis für die treue Fangemeinde. 

Der Film scheitert nicht an fehlendem Unterhaltungswert, sondern als Finale, als Kinorückkehr von «Star Wars» nach sieben Jahren. Man bekommt keinen Event, sondern etwas allzu Kleines, Sicheres, Ambitionsloses. Auf ein tatsächlich neues Kapitel in einer weit, weit entfernten Galaxie müssen Fans noch etwas länger warten. Die Aussichten sind aber da: Bereits 2027 soll ein neuer eigenständiger Film – «Star Wars: Starfighter» mit Ryan Gosling («Barbie», «Project Hail Mary») in der Hauptrolle – anlaufen. Möge die Macht also mit uns sein: auf dass die «Star Wars»-Macher*innen endlich zum Mut für Neues zurückfinden.

–––

Kinostart Deutschschweiz: 20.5.2026

Filmfakten: «Star Wars: The Mandalorian and Grogu» / Regie: Jon Favreau / Mit: Pedro Pascal, Sigourney Weaver, Jeremy Allen White, Martin Scorsese / USA / 132 Minuten

Bild- und Trailerquelle: Lucasfilm

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«Star Wars: The Mandalorian and Grogu» von Jon Favreau
Mosci
Juni 6, 2026
5/10
Es fehlt nicht an Unterhaltung, sondern am Mut, sich von der Serie zu lösen. Als grosses Finale und Star-Wars-Kino-Comeback bleibt der Film überraschend klein. Grogu rettet die Emotionen.
5 Overall Score
This is not the way

Es fehlt nicht an Unterhaltung, sondern am Mut, sich von der Serie zu lösen. Als grosses Finale und Star-Wars-Kino-Comeback bleibt der Film überraschend klein. Grogu rettet die Emotionen.

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Mosci

Von #SchleFaZ bis Oscar: Ich suche Filme, die mehr zurücklassen als Popcornreste.

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